Nachruf – Prof. Dr. med. André Roth
September 2026

André Roth erhielt seine ophthalmologische Ausbildung in Strassburg und wurde nach Stationen in Belfort und Besançon 1981 als Ordinarius an die Spitze der Augenklinik Genf berufen, der er bis zu seiner Emeritierung 1998 vorstand. Zu seinen Schwerpunkten gehörte die Schielbehandlung, was sich auch in seinem publikatorischen Werk, wie dem in mehreren Ausgaben erschienen Buch «Chirurgie oculomotrice» niederschlug.
André Roth prägte über mehrere Jahrzehnte sowohl die Schweizerische, als auch die französische Schielbehandlung. So war er unter anderem Präsident der Association Française de Strabologie (2002-2005) und zusammen mit Prof Girogio Klainguti langjähriger Mitorganisator der Internationalen Strabologischen Zermatter Woche. 2008 las er die Ehrenvorlesung der ESA. Neben der Schielbehandlung galt Roth auch als herausragender Experte für den Farbensinn und seine Störungen. Er war Präsident der Internationalen Colour Vision Society und 2003 ihr Preisträger u.a. für die Entwicklung des Roth 28 Hue Tests und eines eigenen Anomaloskops.
Ich persönlich habe André Roth als äusserst kultivierten, mit einer enormen Allgemeinbidung ausgestatteten mehrsprachigen Kollegen kennengelernt, der sich sehr früh nach dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte für den Austausch mit der deutschen Ophtalmologie eingesetzt hat. Mit André Roth, der Ehrenmitglied der Bielschowsky-Gesellschaft (seit 2023 Gesellschaft für Strabologie, Neuroophthalmologie und Kinderophthalmologie – GSNK) war, verliert die internationale Augenheilkunde eine ihrer herausragenden Persönlichkeiten.
Heimo Steffen