Kurzsichtigkeit bei Kindern: Die AIM-Studie belegt gute Wirksamkeit von 0,02% Atropin-Augentropfen zur Minderung der Progression
Kurzsichtigkeit (Myopie) entsteht durch ein übermäßiges Längenwachstum des Auges und beginnt meist im frühen Schulalter. Bis zum jungen Erwachsenenalter ist in Europa fast jeder zweite Mensch davon betroffen. 5% aller Menschen in dieser Altersgruppe haben eine sog. hohe Myopie, d.h. mehr als -6 Dioptrien. Die Minderung der hohen Myopie in der Bevölkerung ist ein wichtiges therapeutische Ziel, weil hohe Myopie der stärkste Risikofaktor für schwerwiegende Netzhauterkrankungen im späteren Leben ist.
In der von der DFG finanzierten, multizentrischen, randomisierten klinischen Studie (https://www.uniklinik-freiburg.de/aim-studie.html) wurden Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren entweder mit Plazebo- oder mit 0,02% Atropin-Augentropfen behandelt. Nach einem Jahr betrug die Verschlechterung der Myopie in der Plazebogruppe 0,49 Dioptrien, in der Atropingruppe 0,25 Dioptrien – sie war also ca. halb so hoch. Auch die Zunahme der Augapfellänge war signifikant um 0,1 mm reduziert.
Die Atropintherapie der progredienten Myopie ist ein seit langem bekanntes Konzept: Vor fast 15 Jahren haben erste Studien aus Asien, wo die Myopie noch wesentlich häufiger ist, beeindruckende Effekte gezeigt. Die verwendeten Konzentration lagen zwischen 0,01 und 0,05%. Nachfolgende Studien aus westlichen Ländern hatten zuletzt nur geringe Effekte berichtet, speziell für 0,01% Atropin.
Wir sind deshalb besonders froh, dass wir mit konservierungsmittelfreien Augentropfen mit einer Atropinkonzentration von 0,02% eine Formulierung gefunden haben, die einerseits effektiv ist und andererseits ein gutes Sicherheits- und Nebenwirkungsprofil hat. Die in der Studie verwendete Formulierung führte bei den Kindern zu lediglich 0,7 mm Pupillenerweiterung und einer vernachlässigbaren Minderung der Naheinstellung (Akkommodation). Die Studie läuft noch über zwei weitere Jahre. Die Publikation, der 1-Jahresergebnisse ist aktuell in Vorbereitung.
Freiburg, den 28.09.2026
Prof. Dr. Wolf Lagrèze
Lehrstuhl Kinder- und Neuroophthalmologie am Universitätsklinikum Freiburg
Vorsitzender GSNK